Das Viertel Blanqui-Mirabeau

Die rue Blanqui, lange Zeit rue du Faubourg-Saint-Pierre-des-Corps genannt, verlängerte die Grand-rue (die heutigen rue du Commerce, rue Colbert und rue Albert-Thomas) über die Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert hinaus. Beide Straßen waren durch die Porte d’Orléans verbunden, die auf der Höhe der heutigen rue du Port-Feu-Hugon lag. Beide folgten dem Verlauf der antiken Straße, die die Stadt entlang der Loire durchquerte und im Osten nach Amboise führte.

Die rue du Faubourg-Saint-Pierre-des-Corps wurde 1844 zur rue Saint-Pierre-des-Corps, bevor sie durch Beschluss des Gemeinderats vom 5. Januar 1905 den Namen rue Blanqui erhielt. Obwohl die Geschichte des Viertels sehr weit zurückreicht, ist sein Name relativ jung. Er ist von der Hauptstraße übernommen, um die herum sich das Viertel entwickelt hat: der rue Blanqui, die durch Beschluss des Gemeinderats vom 5. Januar 1905 so benannt wurde. Dieser Name ehrt das Andenken an jenen Politiker (1805-1881), der nach 1830 die Julimonarchie heftig bekämpfte und dessen Leben eine einzige Abfolge von Verschwörungen und Gefängnisaufenthalten war. Mit dem Beinamen „L’Illustre enfermé“ (der berühmte Eingesperrte) verließ er das Gefängnis des Mont-Saint-Michel und hielt sich von 1844 bis 1848 im Krankenhaus von Tours auf. Seinen Namen wiederum verdankt der ehemalige Faubourg Saint-Pierre-des-Corps einem antiken Friedhof, der diesen Uferweg säumte und von dem man beim Ausheben des Kanalhafens 1825 Spuren fand. Dabei wurden Graburnen aus dem 1. und 2. Jahrhundert entdeckt.

Im Ancien Régime war dieses Gebiet um die Pfarrei herum organisiert, eine kirchliche, aber auch eine Verwaltungseinheit. Wohl im 11. Jahrhundert gegründet, erhielt sie in Erinnerung an den gallorömischen Friedhof den Namen Saint-Pierre-des-Corps. Ihr Mittelpunkt war ein einfaches Oratorium, das im 13. Jahrhundert zur Pfarrkirche umgestaltet wurde.

Ihre Zuständigkeit erstreckte sich über ein weites Gebiet von 1.000 Hektar zwischen Loire und Cher. Dieses „varennes de Loire“ genannte Gebiet bestand vor allem aus sehr fruchtbarem Schwemmland, das einen Anbau von Nahrungsmitteln für die Stadt Tours ermöglichte. Entlang des Flusses gab es zudem Ton, der bei den Töpfern sehr begehrt war. Der Faubourg Saint-Pierre-des-Corps bildete den bebauten Teil dieser Pfarrei, einer der ausgedehntesten von Tours. Außerdem lag sie, als Besonderheit, außerhalb der Befestigung, deren Bau 1356 begonnen hatte. Eine erste Teilung erfuhr die Pfarrei Saint-Pierre-des-Corps beim Bau der neuen Verteidigungsmauer, der 1591 begonnen wurde.

Ihr bebauter Teil mit der Kirche lag nun innerhalb der Mauern, während ihr ländlicher Teil, der bis La Ville-aux-Dames reichte, außerhalb blieb.

Als durch das Gesetz vom 14. Dezember 1789 die Gemeinden geschaffen wurden, wurde der ländliche Teil der Pfarrei Saint-Pierre-des-Corps eine unabhängige Gemeinde, behielt aber ihren ursprünglichen Namen. Das erste Rathaus befand sich übrigens in der rue Blanqui.

Dann führte der Bau des Verbindungskanals zwischen Loire und Cher von 1824 bis 1828 zu einer erneuten Teilung dieses Gebiets, dessen westlicher Teil schließlich 1854 aus der Gemeinde Saint-Pierre-des-Corps ausschied und zu Tours kam.

Seitdem endgültig in Tours eingegliedert, verlor er seinen Status als Vorstadt und wurde zu einem eigenständigen Stadtviertel.

Von da an entwickelte er sich rund um Gemüseanbau, kleines Handwerk und Flussschifffahrt. Begünstigt durch die Sozialgesetze entstanden dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche kleine Einfamilienhäuser, die ein bis heute lebendiges soziales Gefüge schufen.

Text aus Heft Nr. 5 von „Tours se raconte“ – Histoire du Quartier Blanqui (Geschichte des Viertels Blanqui)
Archives municipales de Tours (Stadtarchiv Tours)